Bamberg wirkt heute wie eine Stadt aus Stein, Wasser und Licht. Der Domberg erhebt sich über der Altstadt, das Alte Rathaus steht mitten in der Regnitz, die Gassen führen zu Kirchen, Brücken und Bierkellern. Doch hinter dieser Schönheit liegt eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte.
Im 17. Jahrhundert wurde Bamberg zu einem Zentrum der Hexenverfolgung. Menschen wurden verhaftet, gefoltert, gezwungen, sich selbst und andere zu beschuldigen, und schließlich hingerichtet. Besonders erschütternd ist: In Bamberg traf die Verfolgung nicht nur Arme, Alte oder gesellschaftlich Schwache. Auch Bürgermeister, Ratsherren, Beamte, wohlhabende Familien und ihre Angehörigen gerieten ins Visier.
Die Bamberger Hexenprozesse zeigen, wie Angst, religiöser Fanatismus, politische Macht und ein unmenschliches Justizsystem ineinandergriffen. Was als Suche nach Schuldigen begann, wurde zu einer tödlichen Kettenreaktion.
In diesem Artikel erfährst du, warum die Hexenverfolgung in Bamberg eskalierte, wer dafür verantwortlich war, welche Rolle das Malefizhaus spielte, was es mit Johannes Junius und seinem berühmten Brief auf sich hat – und welche Orte in Bamberg heute noch an diese Geschichte erinnern.
Die Hexenverfolgung in Bamberg kurz erklärt
Die Hexenverfolgung in Bamberg fand vor allem im frühen 17. Jahrhundert statt. Besonders grausam war die große Verfolgungswelle zwischen 1626 und 1630. In dieser Zeit wurden im Hochstift Bamberg mehrere Hundert Menschen verfolgt und hingerichtet. Je nach Zählung und Abgrenzung sprechen Quellen von mindestens 630 Opfern in der Hauptphase, von rund 900 Opfern im Hochstift zwischen 1616 und 1630 oder von insgesamt etwa 1.000 Prozessopfern im weiteren Zeitraum.
Bamberg war damals nicht einfach eine normale Stadt im heutigen Sinn. Es war Residenzstadt eines geistlichen Territoriums: des Hochstifts Bamberg. Der Fürstbischof war nicht nur religiöse Autorität, sondern auch Landesherr mit eigener Gerichtsbarkeit. Genau diese Verbindung von geistlicher Deutung, politischer Macht und weltlicher Strafjustiz machte die Situation so gefährlich.
Wer einmal in den Verdacht geriet, Hexerei betrieben zu haben, hatte kaum eine Chance. Unter Folter entstanden Geständnisse. In diesen Geständnissen wurden weitere Namen genannt. Diese neuen Namen führten zu neuen Verhaftungen, neuen Verhören und neuen Geständnissen. So wuchs der Kreis der Verdächtigen immer weiter.
Die Hexenverfolgung in Bamberg war deshalb kein einzelnes Ereignis. Sie war ein System.
Warum eskalierte die Hexenverfolgung gerade in Bamberg?
Die große Verfolgungswelle begann nicht aus dem Nichts. Mehrere Faktoren kamen zusammen.
Im Jahr 1626 kam es zu schweren Wettereinbrüchen. Frost, Hagel und Missernten trafen die Region hart. Felder wurden zerstört, Wein und Korn verdarben, Hunger und Unsicherheit wuchsen. In einer Zeit, in der viele Menschen noch fest an Schadenszauber glaubten, suchte man nach Schuldigen.
Dazu kam der Dreißigjährige Krieg. Überall im Reich herrschten Gewalt, Hunger, Krankheit und politische Unsicherheit. Menschen lebten in einer Welt, die aus den Fugen geraten schien. Wenn Ernten ausblieben, Kinder starben oder Vieh verendete, erschien vielen die Vorstellung von Hexerei als Erklärung plausibel.
Doch Angst allein erklärt die Bamberger Hexenprozesse nicht. Entscheidend war, dass die Obrigkeit diese Angst aufgriff, verstärkte und juristisch organisierte. Aus Gerüchten wurden Ermittlungen. Aus Verdächtigungen wurden Verhöre. Aus Verhören wurden Geständnisse. Und aus Geständnissen wurden Scheiterhaufen.
Bamberg wurde damit zu einem Ort, an dem sich Volksangst, religiöser Fanatismus, obrigkeitliche Kontrolle und finanzielle Interessen gegenseitig verstärkten.
Doch Angst allein erklärt die Bamberger Hexenprozesse nicht. Entscheidend war, dass die Obrigkeit diese Angst aufgriff, verstärkte und juristisch organisierte. Aus Gerüchten wurden Ermittlungen. Aus Verdächtigungen wurden Verhöre. Aus Verhören wurden Geständnisse. Und aus Geständnissen wurden Scheiterhaufen.
Bamberg wurde damit zu einem Ort, an dem sich Volksangst, religiöser Fanatismus, obrigkeitliche Kontrolle und finanzielle Interessen gegenseitig verstärkten.
Wer war für die Hexenverfolgung in Bamberg verantwortlich?
Die wichtigste politische Figur war Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim. Er regierte das Hochstift Bamberg von 1623 bis 1633 und wurde später als „Hexenbrenner von Bamberg“ bekannt.
Unter seiner Herrschaft erreichten die Bamberger Hexenprozesse ihren grausamen Höhepunkt. Er ließ die Verfolgung institutionell vorantreiben und unterstützte den Bau des Malefizhauses, eines eigenen Hexengefängnisses.
Eine zweite zentrale Figur war Friedrich Förner, Weihbischof von Bamberg. Förner war ein überzeugter Gegenreformator, Prediger und Theologe. Er glaubte fest an die reale Existenz von Hexen, Dämonen und teuflischen Bündnissen. Seine Predigten und Schriften trugen dazu bei, den Hexenglauben theologisch zu legitimieren und die Verfolgung religiös aufzuladen.
Förner war ab 1603 Domprediger und später Weihbischof. In seinem Werk gegen die Hexerei sammelte er Predigten, die den Kampf gegen vermeintliche Hexen als religiöse Pflicht erscheinen ließen. Damit lieferte er den geistigen und theologischen Unterbau für das, was die Gerichte später mit Folter und Urteil vollstreckten.
Aber die Verantwortung lag nicht nur bei zwei Männern. Die Hexenverfolgung funktionierte, weil viele mitwirkten: Juristen, Räte, Kommissare, Schreiber, Henker, Prediger, Denunzianten und Zeugen. Das macht die Bamberger Hexenprozesse so erschreckend. Sie waren kein bloßer Ausbruch von Panik. Sie waren organisiert.
Wie liefen die Hexenprozesse in Bamberg ab?
Ein Hexenprozess begann oft mit einer Beschuldigung. Jemand wurde „besagt“, also von einer anderen Person genannt. Diese Nennung konnte aus einem Gerücht entstehen, aus einem Nachbarschaftskonflikt, aus persönlicher Feindschaft – oder unter Folter erzwungen werden.
Nach der Verhaftung folgte zunächst eine Befragung. Wenn kein Geständnis zustande kam, wurde die sogenannte peinliche Befragung angewandt: Folter.
Die Folter sollte angeblich die Wahrheit ans Licht bringen. Tatsächlich erzeugte sie genau das, was die Richter hören wollten. Wer die Schmerzen nicht mehr ertragen konnte, gestand. Und wer gestand, musste weitere Namen nennen.
Typische Fragen waren:
Wer hat dich zur Hexerei verführt?
Wer war beim Hexensabbat dabei?
Wer hat mit dir Schadenzauber betrieben?
Wer ist deine Teufelspatin oder dein Teufelspate?
Welche weiteren Hexen kennst du?
Damit wurde jeder Prozess zur Gefahr für viele andere. Unter Schmerzen nannten Menschen Nachbarn, Bekannte, Familienmitglieder oder hochgestellte Bürger. Nicht weil diese schuldig waren, sondern weil das System Namen verlangte.
So entstand eine Kettenreaktion. Eine Verhaftung führte zur nächsten. Eine Familie konnte in kurzer Zeit ausgelöscht werden. In Bamberg gerieten sogar Bürgermeister, Kanzler und Ratsherren in das Netz der Verfolgung.
Das Malefizhaus: Bambergs Hexengefängnis
Einer der wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit der Hexenverfolgung in Bamberg ist das Malefizhaus. Es wird auch als Trudenhaus oder Hexengefängnis bezeichnet
Das Gebäude wurde 1627 unter Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim errichtet. Es lag im Bereich der heutigen Franz-Ludwig-Straße / Promenadestraße. Heute ist das Malefizhaus nicht mehr erhalten, doch sein Standort gehört zu den wichtigsten Erinnerungsorten der Bamberger Hexenprozesse.
Das Malefizhaus war kein gewöhnliches Gefängnis. Es war ein eigens errichteter Ort für Verhaftung, Verhöre, Folter und Todesurteile. Im Haupthaus befanden sich Zellen, Wärterstuben und eine Kapelle. Ein eigener Bereich diente der „peinlichen Frag“, also der Folter.
Wer in das Malefizhaus kam, hatte kaum Hoffnung. Die Verhöre waren darauf ausgelegt, Geständnisse zu erzwingen. Und Geständnisse bedeuteten in der Regel nicht nur das eigene Todesurteil, sondern auch die Beschuldigung weiterer Menschen.
Das Malefizhaus war damit die bauliche Form eines Systems, das Menschen nicht retten, sondern brechen sollte.
Johannes Junius: der berühmteste Brief der Bamberger Hexenprozesse
Der bekannteste Name der Bamberger Hexenverfolgung ist Johannes Junius.
Junius war Bürgermeister von Bamberg und ein angesehener Bürger. Trotzdem wurde er 1628 als Hexer angeklagt, gefoltert und schließlich hingerichtet. Am 6. August 1628 wurde er auf dem Scheiterhaufen am heutigen Schönleinsplatz verbrannt. Bereits wenige Monate zuvor war auch seine Frau Helena Junius dort als vermeintliche Hexe hingerichtet worden.
Was den Fall Johannes Junius so besonders macht, ist ein erhaltenes Dokument: sein heimlicher Abschiedsbrief an seine Tochter Veronika.
Diesen Brief schrieb Junius aus dem Malefizhaus. Darin schildert er, dass er unschuldig sei, dass er unter Folter gestanden habe und dass seine Aussagen erzwungen worden seien. Der Brief ist eines der wichtigsten erhaltenen Zeugnisse der europäischen Hexenforschung, weil hier nicht nur die Perspektive der Ankläger, sondern die Stimme eines Opfers erhalten ist.
Besonders erschütternd ist, dass Junius nicht nur über seine eigene Folter schreibt. Er macht auch deutlich, wie das System funktionierte: Menschen wurden so lange gequält, bis sie etwas sagten. Und wenn sie etwas gesagt hatten, wurden sie weiter gequält, bis sie weitere Namen nannten.
Junius selbst denunzierte unter Folter zahlreiche Mitbürger. Das macht ihn nicht zum Täter im eigentlichen Sinn. Es zeigt vielmehr, wie unmenschlich das System war. Die Folter zwang Menschen dazu, andere mit in den Abgrund zu reißen.
Der Junius-Brief ist deshalb nicht nur ein historisches Dokument. Er ist ein menschlicher Hilferuf aus einem System, das seine Opfer zuerst zerstörte und dann als Beweis gegen andere benutzte.
Die Verfolgung der Oberschicht: Georg Haan, Georg Neudecker und andere
In vielen Regionen traf die Hexenverfolgung vor allem gesellschaftlich schwächere Menschen. In Bamberg war das anders. Hier gerieten auffallend viele Angehörige der städtischen Oberschicht ins Visier.
Dazu gehörten Bürgermeister, Ratsherren, Beamte und ihre Familien. Besonders bekannt sind die Fälle von Georg Haan, Johannes Junius, Georg Neudecker, Daniel Bayer und Jacob Dietmayer.
Der Fall Georg Haan zeigt die politische Dimension der Verfolgung besonders deutlich. Haan war Hochstiftskanzler und damit eine der höchsten weltlichen Persönlichkeiten Bambergs. Seine Frau Katharina Haan wurde verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Auch er selbst wurde später angeklagt, gefoltert und am 14. Juli 1628 in der Alten Hofhaltung hingerichtet.
Auch die Familie Neudecker wurde schwer getroffen. Georg Neudecker war Bürgermeister. Nicht nur er, sondern auch mehrere Angehörige seiner Familie gerieten in die Prozesse. Die Verfolgung konnte ganze Familien erfassen und auslöschen.
Warum traf es ausgerechnet die Oberschicht?
Ein Grund lag im System der Besagung. Wer unter Folter stand, nannte Namen – auch hochrangige Personen. Die Kommission musste diesen Namen angeblich nachgehen.
Ein zweiter Grund war Geld. Hexenprozesse waren teuer. Kommissare, Schreiber und Henker mussten bezahlt werden. Bei armen Menschen war wenig zu holen. Bei wohlhabenden Bürgern, Beamten und Familien dagegen konnten Vermögen eingezogen werden.
Ein dritter Grund war Politik. Wer Widerstand gegen die Prozesse leistete oder dem Fürstbischof unbequem wurde, konnte selbst verdächtig werden. Die Hexenverfolgung wurde damit auch zu einem Mittel der Kontrolle.
Das ist einer der Gründe, warum die Bamberger Hexenprozesse so besonders sind. Sie zeigen nicht nur religiösen Wahn. Sie zeigen auch, wie ein Justizsystem, wenn es von Angst und Machtinteressen gesteuert wird, gegen jede gesellschaftliche Grenze eingesetzt werden kann.
Friedrich Förner und die Obere Pfarre: Predigt als Brandbeschleuniger
Ein wichtiger Ort der Bamberger Hexengeschichte ist die Obere Pfarre.
Hier predigte Friedrich Förner ab 1603. Er war kein einfacher Dorfprediger, sondern ein hochgebildeter Theologe, später Weihbischof und einer der wichtigsten geistlichen Antreiber der Hexenverfolgung.
Förners Denken war von Gegenreformation, Teufelsglauben und religiösem Kampf geprägt. Er sah Hexerei nicht als Randphänomen, sondern als Angriff auf den katholischen Glauben. Für ihn waren Hexen keine armen, verwirrten oder falsch beschuldigten Menschen. In seinem Weltbild waren sie Werkzeuge des Teufels.
Solche Predigten wirkten nicht im luftleeren Raum. Sie prägten eine Atmosphäre. Wenn Woche für Woche von Kanzeln über Teufel, Hexen, Verrat und göttliche Strafe gesprochen wurde, konnte aus Unsicherheit schnell Verdacht werden.
Die Obere Pfarre steht deshalb in der Geschichte der Bamberger Hexenverfolgung nicht für Folter oder Hinrichtung. Sie steht für den geistigen Boden, auf dem die Verfolgung wachsen konnte.
Wo wurden in Bamberg die Hexen verbrannt?
Eine der häufigsten Fragen lautet: Wo wurden in Bamberg die Hexen verbrannt?
Die Antwort ist nicht ganz einfach, weil man zwischen der Stadt Bamberg und dem gesamten Hochstift Bamberg unterscheiden muss.
Für die Residenzstadt Bamberg spielt der heutige Schönleinsplatz eine wichtige Rolle. Dort wurde am 6. August 1628 Johannes Junius verbrannt. Auch seine Frau Helena Junius wurde dort zuvor hingerichtet. In der Erinnerung an die Bamberger Hexenverfolgung ist der Schönleinsplatz deshalb einer der zentralen Orte.
Gleichzeitig wurden viele Hinrichtungen des Hochstifts nicht direkt in Bamberg vollzogen, sondern in Zeil am Main. Zeil gehörte damals zum Hochstift Bamberg. Dort befand sich ein wichtiger Hinrichtungsort, und heute erinnert das Dokumentationszentrum Zeiler Hexenturm an die Verfolgung.
Warum wurden Hinrichtungen teilweise nach Zeil verlegt? Ein Grund dürfte gewesen sein, dass man in der Residenzstadt Bamberg Unruhe und Widerstand vermeiden wollte. Die Verfolgung sollte weitergehen, aber nicht jedes öffentliche Töten direkt vor den Augen der Bamberger Bürgerschaft stattfinden.
Wenn man also fragt, wo „die Hexen von Bamberg“ verbrannt wurden, muss man differenzieren:
In Bamberg selbst gehört der heutige Schönleinsplatz zu den wichtigsten Richtorten. Für das Hochstift Bamberg spielte außerdem Zeil am Main eine zentrale Rolle.
Gibt es ein Hexenmuseum in Bamberg?
Viele suchen nach einem Hexenmuseum in Bamberg oder nach Öffnungszeiten für ein Hexenmuseum.
Ein klassisches großes Hexenmuseum direkt am ehemaligen Malefizhaus gibt es in Bamberg nicht. Wer sich mit dem Thema beschäftigen möchte, findet Spuren vor allem an historischen Orten, in Archiven, in der Staatsbibliothek, im Historischen Museum, am Hexenmahnmal und in thematischen Führungen oder Touren.
Ein wichtiger Ort außerhalb Bambergs ist der Zeiler Hexenturm in Zeil am Main. Zeil spielte während der Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg eine zentrale Rolle und besitzt heute ein Dokumentationszentrum zur Geschichte der Verfolgung.
Für Bamberg selbst gilt: Die Geschichte ist nicht in einem einzigen Museum gesammelt. Sie liegt verteilt in der Stadt – an Plätzen, Kirchen, ehemaligen Gefängnisorten und in erhaltenen Dokumenten.
Orte der Hexenverfolgung in Bamberg heute
Wer die Hexenverfolgung in Bamberg verstehen möchte, sollte nicht nur Namen und Jahreszahlen kennen. Entscheidend sind die Orte. Einige sind sichtbar, andere nur noch als Standort überliefert. Aber zusammen ergeben sie eine Route durch Bambergs dunkle Geschichte.
Alte Hofhaltung
Die Alte Hofhaltung liegt direkt neben dem Dom. Heute gehört sie zu den schönsten historischen Orten Bambergs. Im Zusammenhang mit der Hexenverfolgung erhält sie jedoch eine andere Bedeutung.
Vor dem Bau des Malefizhauses diente die Alte Hofhaltung als Ort von Gefangenschaft und Hinrichtung. Auch Georg Haan wurde hier 1628 hingerichtet. Der Ort zeigt besonders deutlich, wie nah in Bamberg Pracht und Gewalt beieinanderlagen.
Obere Pfarre
Die Obere Pfarre ist mit Friedrich Förner verbunden. Hier predigte er ab 1603. Sie steht für die religiöse Aufladung der Verfolgung: für Predigten, Teufelsglauben und die Vorstellung, dass der Kampf gegen Hexen ein Kampf für Gott sei.
Altes Rathaus und Lange Straße
Das Alte Rathaus steht für die Bürgerstadt, die Verwaltung und die gesellschaftliche Oberschicht Bambergs. Gerade diese Oberschicht wurde in den Prozessen zunehmend getroffen. In den Verhören tauchen Namen aus angesehenen Familien, aus Rat und Bürgerschaft auf. Die Lange Straße, damals Lange Gasse, war ein Wohnort gut situierter Bürger und taucht in Zusammenhang mit Besagungen immer wieder auf.
Schönleinsplatz
Der Schönleinsplatz gehört zu den wichtigsten Erinnerungsorten. Hier wurde Johannes Junius am 6. August 1628 verbrannt. Auch seine Frau Helena wurde dort hingerichtet. Heute erinnert in diesem Bereich das Brandmal an die Opfer der Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg.
Ehemaliges Malefizhaus
Der ehemalige Standort des Malefizhauses an der heutigen Franz-Ludwig-Straße / Promenadestraße ist einer der zentralen Orte. Hier wurden Menschen eingesperrt, verhört und gefoltert. Das Gebäude ist verschwunden, aber seine Bedeutung bleibt.
Hexenverfolgung in Bamberg erleben
Die Bamberger Hexenverfolgung ist schwer zu begreifen, wenn man sie nur als Zahl liest. 630, 700, 900 oder 1.000 Opfer – solche Zahlen sind wichtig, aber sie bleiben abstrakt.
Greifbarer wird die Geschichte an den Orten selbst.
An der Alten Hofhaltung versteht man die Verbindung von Macht und Gerichtsbarkeit. An der Oberen Pfarre wird deutlich, wie Predigten Angst und Fanatismus verstärken konnten. Am Schönleinsplatz wird aus einem historischen Namen ein konkretes Schicksal. Und am Standort des Malefizhauses wird spürbar, dass mitten in der heutigen Stadt einmal ein Gebäude stand, das nur für Verhöre, Folter und Geständnisse errichtet wurde.
Wenn du diese Geschichte nicht nur lesen, sondern vor Ort nachvollziehen möchtest, führt dich unsere digitale Hexentour durch Bamberg zu den wichtigsten Stationen der Bamberger Hexenverfolgung. Du gehst in deinem Tempo, ohne feste Gruppe und ohne Terminbindung – aber mit den Geschichten, die hinter den Fassaden liegen.